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Der Sonnenuntergang vom Pico Ruivo

  • Beitrags-Kategorie:Madeira

Reisetag: 024

Heute hatten wir ein volles Programm. Deshalb stand ich auch bereits um 08:20 Uhr an der “Haltestelle” vor unserem Grundstück – einem Schild an einem Strommast mit der Aufschrift “Paragem”. Eine Stunde später stieg ich in Funchal aus dem Bus und setzte mich in ein kleines Café, indem ich ein Nutella-Croissant, ein Toast und Orangensaft genoss. Ich hatte mich für 10:30 Uhr mit Marie und Dieter zum Gottesdienst in einer höher gelegenen Region Funchals verabredet – die beiden fuhren mit dem Scooter nach Funchal, den sie sich für die 7 Wochen ihres Urlaubs gemietet hatten. Leider kam mein Bus nicht um die angegebene Zeit an der angegebenen Haltestelle und so erklärte sich Dieter dazu bereit, mich mit dem Scooter abzuholen, nachdem er Marie oben angesetzt hatte.

Während ich wartete, lernte ich an der Haltestelle zwei deutsche, ältere Damen kennen, die zum botanischen Garten fahren wollten und ebenfalls verzweifelt auf ihren Bus warteten. Die eine Dame erzählte mir von ihren vielen Jahren, die sie in Mexiko und Südamerika verbracht hatte, ihren Erlebnissen und Erinnerungen. Die andere Frau berichtete mir von einer Person, für die sie vor einiger Zeit mal auf Madeira als Freiwillige gearbeitet hatte und bot mir an, mich mit ihr zu vernetzen. Das war eine wirklich schöne Begegnung und ich hätte mich gern noch länger mit den beiden unterhalten, aber ihr Bus trag dann mit einiger Verspätung doch noch ein.

Kurz darauf sollte für mich jedoch ein anderes Abenteuer stattfinden: meine erste Motorradfahrt! Mit einer Hand am Haltegriff und der anderen am Handy als Navigationsgerät, saß ich hinter Dieter auf dem Scooter 🛵 und bibberte ganz schön in den Kurven. Vor allem Madeiras steile Straßen stellten eine besondere Herausforderung für mich als “Fahranfänger” dar.

Mit einer satten Verspätung von einer Stunde wohnten wir dem Gottesdienst bei, der überraschenderweise von einem Pastor per Videokonferenz aus Ozeanien gehalten wurde. Der englischsprachigen Predigt folgte gemeinsames Singen und ein Mittagessen, bei dem ich mit einigen Christen und Pastoren in’s Gespräch kommen konnte. Eine wirklich interessanter Austausch!

Weiter ging die wilde Fahrt mit dem Motorrad! Dieter brachte mich in den Westen Funchals, wo ich darauf wartete, dass er mit Marie zurück kommen würde. Dorthin konnte uns jedoch nur die Autobahn bringen und so erlebte ich nochmal einen gewaltigen Adrenalinkick mit Gegenwind und Handy in der Hand – irgendwer musste Dieter ja sagen, wo er langfahren muss..

Kurze Zeit später verschwanden wir zu dritt in einem Supermarkt, kauften kurz einige Kleinigkeiten ein und ließen uns im dazugehörigen Café nieder. Um 15:30 sollte uns von hier aus Daniele abholen – heute war wieder Sonntag und somit stand ein weiterer Community-Hike an. Er hatte sich dazu bereit erklärt, uns für die knappe Stunde mit dem Auto mit zu nehmen. Das war eine aufregende Fahrt mit der steilsten Straße, die ich jemals mit dem Auto überwinden hatte. Wir fuhren tatsächlich einmal die komplette östliche Küste ab, bis wir mehr oder weniger am Fuße des “Pico Ruivo” ausstiegen. Hier stießen wir auf den Rest der Gruppe und machten uns auf, zur Spitze des höchsten Bergs Madeiras.

Uns erwartete mal wieder ein wahnsinniger Ausblick: auf der linken Seite erblickten wir schroffe, steile Bergmassive, zu denen unter anderem auch der “Pico do Arieero” zählt, während unsere Blicke auf der linken Seite nur über grüne Täler und Bergzungen schweifte.

Wir schlängelten uns hinauf zum Gipfel und waren kurz vor Dämmerungsbeginn ganz oben. Es gibt drei Aussichtsplattformen, zwei von ihnen sind direkt verbunden, während man die dritte durch eine Treppe erreichen kann. Die Wolken waberten durch die Landschaft und schwappten hier und da über einige Hügel und Häusergruppen. Dann ging es endlich los! Der Himmel färbte sich rötlicher und alles erschien in goldgelbem Schein – eine ganz besondere Stimmung!

Dieter und Marie packten unser Abendbrot aus, was wir in dieser Atmosphäre genießen wollten: Brötchen, Käse und Wein. Der Sonnenuntergang war wirklich ein wunderschönes Spektakel, was ich noch lange in schöner Erinnerung behalten werde. Ein Mitglied der Gruppe setzte sich auf den Gipfelstein und war somit für einen Moment der höchste Punkt der Insel.

Als die Sonne komplett hinter den Wolken verschwunden war, machten wir uns mit Stirnlampen bewaffnet auf den Rückweg. Daniele chauffierte uns abenteuerlich zurück nach Funchal, wo ich mich von Marie und Dieter verabschiedete, die mit dem Scooter Heim fuhren, und auf den Rest der Gruppe wartete, der sich in einem Restaurant niedergelassen hatte. Leider fuhr um diese Uhrzeit kein Bus mehr. Ich konnte die Wartezeit jedoch nutzen, um mit meiner Mama zu telefonieren, bis mich Emma samt Familie netterweise mitnahm und bei der Plantage absetzte. Was ein wundervoller Tag!

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