Reisetag: 012
Vor ein paar Tagen hatte ich über diverse Gruppen erfahren, dass heute gleich zwei kostenlose Meditationsangebote stattfinden sollten; eines zu Mittag und eines am Abend. Nach drei Minuten zu Fuß, befand ich mich also um 12:30 vor dem ersten angegebenen Gebäude und lernte schon einmal die anderen Teilnehmer kennen bis Denise und Paul, die beiden Leiter der Meditation, eintrafen. Die Gruppe selbst war nur sehr klein und wir machten es uns alle im Stuhlkreis bequem. Die Themen der Meditation waren zwischenmenschliche Beziehungen, deren Entwicklung und Wichtigkeit und Intensionen für die Welt. Die Meditation bot einen wirklich schönen Raum, um mit einander in den Austausch über diese Themen zu kommen, zu sich zu finden und Intensionen zu formulieren. Alle Teilnehmenden waren sehr offen und außerordentlich freundlich, weshalb ich mit einigen sogar die Nummern austauschte.
Nach dieser positiven Erfahrung hatte ich nun noch knapp vier Stunden Zeit, bis die zweite Meditation beginnen würde. Zufälligerweise lag deren Veranstaltungsort direkt neben einem Museum, welches ich eigentlich schon viele Tage vorher besuchen wollte; dem MAMMA. Das Museum of Modern Arts Madeira wurde sogar von der offiziellen Madeira Website empfohlen und lockte mit bunten, verrückten Bildern und Installationen. 10€ kostete mich der Eintritt, ich war mal wieder der einzige Gast und es gab 14 verschiedene Bereiche für mich zu entdecken; Bereiche mit Namen wie „Natur“, „Zeit“ oder „Hölle“. Aber eins möchte ich schon einmal vorweg nehmen: Ich hätte wirklich im Vorhinein die Bewertungen lesen sollen…
Statt einem Museum mit vielfältiger Kunst und diversesten Ausstellungsstücken, sollte ich schnell feststellen, dass bis auf einen Raum alle Räume die Werke eines einzigen Künstlers enthalten. Ruí Sa ist sein Name und er sprach mich bereits im ersten Raum an, um mir die tieferen Bedeutungen seiner Kunst zu erklären. Leider bestand der Großteil davon aus (halb-)nackten Frauen, besaß keinen Tiefgang und/oder keine überzeugende Ausführung. Viele der Räume waren mit Spezialeffekten ausgestattet; trotzdem konnte ich den meisten Kunstwerken nicht viel abgewinnen. Sie lösten einfach nichts in mir aus, waren in ihrer Bedeutung zu banal oder oberflächlich gewählt. Da ich kein großer Kunstkenner bin, ließ ich trotzdem alles auf mich wirken; „wer weiß, vielleicht ist das ja alles viel wert und Ruí Sa ein berühmter Künstler“, dachte ich mir. Zwischendurch wurde ich außerdem immer wieder von einer italienischen, älteren Damen angesprochen, die ebenfalls mit mir über die Werke in‘s Gespräch kommen wollte. Leider konnte ich sie durch ihre undeutliche Artikulation und wenigen Englischkenntnisse schwer verstehen. Es sollte sich herausstellen, dass ein Raum mit Julietas Vasconcelos Kunst, ihrer Kunst, gefüllt war. Stolz führte sie mich durch ihre Werke, die sehr abstrakt waren und aus wenigen Strichen und Klecksen auf kleinen Leinwänden bestanden. Ein Bild davon hatte sie mit „Der Premierminister von Montenegro“ betitelt und ich wusste nicht, ob das ein Kompliment oder eine Beleidigung an ihn sein sollte. Das Bild seht ihr unten in der Galerie, es folgt nach einem Foto von mir und der Künstlerin als Spiegelung. Aber auch hier dachte ich, ich hätte großes Glück, eine Privatführung mit der Künstlerin selbst zu bekommen. Auch nach der Führung war die Frau leider sehr aufdringlich, schenkte mir etwas Selbstgebasteltes und wollte mich gar nicht mehr gehen lassen.
Die ganze Erfahrung in diesem Museum war wie eine einzige Psychose und als ich wieder draußen war, war mein erster Gedanke „Wo bin ich da gerade durchgelaufen?!“. Tja.. leider sind die beiden keine berühmten Künstler bzw. Künstlerinnen und ich frage mich wirklich, wie deren Kunst für größtenteils so lange Zeiträume hier ausgestellt werden durfte. Ich weiß, ich weiß: Kunst is subjektiv, aber in den Bewertungen haben auch einige Menschen von rassistischen Werken geschrieben und das ganze wirkte wirklich wie eine einzige Ego-Nummer. Die beiden haben sich ja förmlich auf mich, als einzigen Gast, gestürzt 😅
So war es gut, dass für mich nun noch eine weitere Meditation folgen sollte. Diesmal trafen sich alle Interessierten im Park „Quinta Magnolia“, einem wunderschönen Stadtpark mit Tennisplätzen, einem Spielplatz und toll angelegten Gartenanlagen. Auch hier konnte ich direkt Kontakte knüpfen und Ema, die Leiterin, machte mit uns Atemübungen, lies uns über das Thema „Curiosity“ (deutsch: Neugier) diskutieren und schlussendlich sollte jeder für eine Zeit lang nur für sich selbst durch den Park gehen; so als sehe er oder sie die Welt mit den Augen eines Kindes. Das war ein wirklich schöner Abschluss des Tages und ich konnte auf dem Heimweg noch sehr angenehme Gespräche führen.


















