Reisetag: 019
Heute hieß es wirklich endgültig Abschied nehmen, von dem Hostel, meinem Zimmernachbarn und Funchal.
Es war eine ziemliche Herausforderung gewesen, herauszufinden, welcher Bus wann, von wo aus, nach Canhas fährt. Dort sollte nämlich die Bananenplantage meiner Host-Familie sein. Irgendwie hatte ich dann aber herausgefunden, dass die Linie 142 um 12 Uhr ab Funchal in diese Richtung fährt und so stand ich 20 Minuten früher an der Haltestelle, die ich nach intensiver Suche endlich gefunden hatte.
Mein großer Rucksack wurde im Bauch des Busses verstaut und los ging die Fahrt. Das Problem war nur, dass ich nicht wusste, wo ich genau raus musste. Ich war mir nicht sicher, ob und wann ich die Stop-Taste drücken müsse und so landete ich nach einem Umstieg in “Ribeira Brava” mitten auf der Straße im Nirgendwo. Hier gab es noch nicht mal ein Haltestellenschild, aber nachdem ich gedrückt hatte, wurde ich genau hier abgesetzt. Ich fragte einen Einheimischen nach dem Weg und stand kurze Zeit später auf dem, wie sich herausstellen sollte, falschen Grundstück. Ich rief Boyd, den Host meiner Arbeitsstelle, an und er leitete mich mit Video-Telefonat zu seinem Haus, wo mich seine Mutter Valin in Empfang nehmen sollte. Leider fand ich jedoch keine Klingel und natürlich fing es genau in diesem Moment an, zu stürmen und zu regnen. So stand ich einen Moment lang im Regen, bis Valin mich entdeckte und mich hinein in ihr Zuhause ließ.
Bis ihr Sohn Boyd kam, vergingen knapp 2 Stunden, in denen sie mir einiges über das Haus und die Familiengeschichte erzählte. Valin ist ein sehr liebevoller und spiritueller Mensch und so stellte ich einige Fragen, die mich bewegten.
Später schauten wir gemeinsam bei Dieter und Marie vorbei, die gerade dabei waren, Feierabend zu machen. Sie hatten den ganzen Tag lang damit verbracht, einen der beiden Bungalows zu renovieren – eine Aufgabe, die auch mir zu Teile kommen wird.
Boyd zeigte mir mein Zuhause der nächsten 2 Wochen: ein 8-eckiges, sehr robustes Zelt mit Matratze und Lichterkette mitten in den Plantagen. Ich verstaute mein Hab und Gut und bezog jeglichen Bettbezug.
Die Rahmenbedingungen meiner Freiwilligenarbeit sind wie folgt:
Ich arbeite 25 Stunden die Woche, wann und wie ist mir selbst überlassen. Dafür wird mir das Zelt mit jeglichem Zubehör, Bad, Dusche, Küche etc. gestellt und gewährleistet, dass immer genügend Nahrung vorhanden ist. Die Familie ist außerdem so lieb, jeden Abend für alle zu kochen.
Beim Abendessen lernte ich außerdem Boyds Freundin Julia kennen, die wie Valin und Boyd selbst aus den USA stammen. Auch sie ist überaus freundlich. Das Abendessen schmeckte außerordentlich gut – Salat verschiedenster Art mit Spinat-Auflauf, Couscous, roter Beete und vielen weiteren Toppings. Marie und Dieter hatten außerdem madeirische Früchte gekauft, die ich noch nie zuvor probiert hatte. So beispielsweise eine Ananasbanane – die Frucht der typischen Monstera – die tatsächlich wie die Mischung aus beiden Obstsorten schmeckt oder eine Cherymoya, auch Zimtapfel genannt, die den Geschmack von Zimt oder Vanillepudding trägt. Das war wirklich ein verrücktes Geschmackserlebnis.
Nach dem Abendbrot zeigten mir Julia und Boyd noch etwas intensiver die Bananenplantage, den grundstückseigenen Wasserfall und vielerlei Pflanzen, die ich probieren oder von den ich die Finger lassen sollte. Die Blätter eines Gewächses schmeckten nach saurem Apfel, während die Blüte einer anderen Pflanze unglaublich scharf war.
Wir machten noch einen Spaziergang entlang der Plantagen bis zum Ende der Landzunge, bis sich jeder bettfertig machte und ich meine erste Nacht im Zelt erleben sollte. In der Nacht begann es erneut ziemlich stark zu regnen und stürmen und so wurde ich häufig wach – auch die Kälte machte mir zu schaffen. Für die nächste Nacht werde ich mir eine zweite Decke besorgen.









