Reisetag: 016
In den vergangenen 2 Wochen hatte ich bereits den Großteil des mit dem Auto befahrbaren Straßennetzes erleben können. Deshalb ging es für mich heute mit einem Jeep off-road in den Norden – über Gestein, Geröll, durch Matsch und Bach.
Nach einem kurzen Frühstück im gegenüberliegenden Café wurde ich um 8:20 Uhr von einem bunten 4×4 Jeep abgeholt, der Platz für einen Fahrer und 8 Abenteurer bot. Schnell wurden alle Teilnehmenden der heutigen Aktion eingesammelt: ein Pärchen aus Nordengland, Lettland und den USA, sowie ein Alleinreisender aus Indien, der aber seit mehreren Jahren in den Niederlanden verweilt. Auf ging die wilde Fahrt!
Schon in den Städten wählte unser Guide überraschend schmale und kurvige Wege und hupte vor jeder Ecke, um eine Kollision vorzubeugen. Wir hielten einige Male, um die westlich von Funchal gelegenen Städte „Ribeira Brava“ und „Ponta do Sol“ zu bestaunen, bis es hoch in den Norden, die Berge ging. Als wir in unsere erste off-road Straße (deutsch: unbefestigte Straße) einbogen, meinte unser Guide, dass wir ab jetzt durch das offene Dach aufstehen können. Die Strecke war jedoch so ruckelig, dass sich noch keiner traute. Die letzte Reihe des Jeeps saß seitlich und wurde somit sowieso intensiver durchgerüttelt. Auf dem Waldweg wurde wirklich nichts von unserem und dem zweiten Jeep der Tour liegen gelassen: Stock, Stein, Felsbrocken, Erdrutsch. Unser Guide erzählte uns, dass wir ein ziemliches Problem bei einem platten Reifen hätten. Keiner der Jeeps habe nämlich einen Ersatzreifen dabei und er müsse dann seinen Chef anrufen, um uns hier oben in den Bergen einen Ersatzreifen vorbeizubringen. Tja.. leider komme das ganze circa einmal die Woche vor. Aber kleiner Spoiler: uns hat es nicht erwischt.
Wir kämpften uns den Berg hinauf, bis wir von frei lebenden Kühen aufgehalten wurden und einen Fotostop mit Bergkulisse und Kuh einlegten. Auch für diese Tour mussten wir die Hochebene passieren, auf der vier Straßen auf einander treffen; diesmal bogen wir nach rechts ab – zum Fanal Wald. Normalerweise bietet dieser Wald eine mystische Kulisse, da die mit Moos bewachsenen, krumm wachsenden Bäume von Nebel durchflutet werden. Der ganze Tag wurde zwar von bewölktem Himmel geschmückt, aber Nebel konnten wir weit und breit nicht entdecken. Trotzdem hatte der Wald einen schaurigen Charakter. Wir hatten etwas Freizeit, um uns in diesem kleinen Park umzusehen, einen naheliegenden Hügel zu besteigen und die Aussicht zu genießen, bis es weiter nach Porto Moniz ging. Auf der Fahrt dorthin erreichten wir eine wenig befahrene Straße, auf der es uns erneut erlaubt war, aufzustehen. Wir konnten unseren Blick über die grüne Berglandschaft schweifen lassen und fuhren unter einem Wasserfall hindurch, der hinter der Straße in die Tiefe rauschte. Das war eine wirklich surreale Erfahrung!
In Porto Moniz bestaunten wir die natürlichen Vulkanpools und beobachteten die mutigen Badegäste; das Pärchen aus Lettland traute sich auch in das kühle Nass. Auch hier hatten wir wieder etwas Zeit, und ein eigenes Bild der Stadt zu machen und so spazierte ich durch die Stadt, ließ mich in einem kleinen Restaurant nieder und schaute mir das dritte von drei auf Madeira existierenden 8€ Hostels an; in ein paar Wochen ist es mein Plan, dorthin zu ziehen. Porto Moniz ist eine wirklich schön gelegene Stadt, umrundet von Bergen und direkt am Meer mit tausenden Felsen, denen man dabei zusehen kann, wie sie von der stürmischen See umspült werden.
Unser letzter Halt und offizieller Badestop lag in Seixal. Diesmal ging es nicht an den schwarzen Sandstrand, sondern ebenfalls zu natürlichen Pools, die sich im Vulkangestein geformt hatten. Gemeinsam mit dem Großteil der Gruppe, hüpfte ich hinein. Den Eingang des Pools schmückte ein gigantischer Felsbogen, den man durchqueren musste. Das Wasser selbst war ziemlich frisch, aber so klar, dass man die Vielzahl an Fischen im Wasser gut erkennen konnte. Am Rand des Beckens entdeckte ich überraschend große Krebse, die sich sonnten und hin und her wankten.
Dann ging es schon wieder ab nach Funchal und diesmal konnte ich ganz hinten auf den quer stehenden Bänken sitzen – für die noch intensivere Jeep-Erfahrung. Auf dem Rückweg fuhren wir noch durch São Vicente, bis ein Tunnel den nächsten jagte.
Der Fahrer war freundlich und seine kühnen Fahrkünste auf diesem Terrain wirklich bewundernswert. Dennoch hat man merken können, dass er eben mehr der ausgebildete Fahrer, als Guide ist, da er vergleichsweise wenig über die einzelnen Stops zu erzählen hatte.
Alles in allem war diese Tour trotzdem wirklich aufregend, vielfältig und einzigartig, mit seinem ganz eigenen Adrenalinkick.


































