Reisetag: 005
Am nächsten Tag sollte also schon Katharinas und meine erste gemeinsame Aktivität stattfinden: eine Wanderung durch das berüchtigte Nonnental.
Sie hatte sich ihre Touri-Touren extra so legen können, dass wir kurz nach 13 Uhr im Bus nach Curral das Freiras saßen und ich ausschlafen durfte, yeayy! Der vollgestopfte Bus schleppte sich die Berge hinauf und als die Familie, die mit uns gemeinsam eingestiegen war, ausstieg, hatten wir beide einen panischen “Oh Gott, das ist unsere Station, hier müssen wir auch raus!”-Moment und wir purzelten auf eine zufällige Straße irgendwo im Nirgendwo in den Bergen. Tja.. das war tatsächlich NICHT unsere Station gewesen und so blieb uns nichts anderes übrig, als die fehlenden Kilometer bis zum eigentlichen Start der Wanderung auf Asphalt zu wandern. Aber der Ausblick war der Wahnsinn!! Tausend Meter hohe Berge umringten uns und der mittagliche Nebel schlängelte sich mystisch durch die Landschaft. Endlich am Start angekommen, entdeckten wir sofort den Namensgeber der Route: das Nonnental. Eingekesselt zwischen beeindruckenden Bergen machte das kleine 100-Häuser-Dorf überhaupt nicht den Eindruck einer mystischen Klosterherberge. Der Wanderweg führte uns im ZickZack auf nie enden wollenden Stufen das Bergmassiv hinab, vorbei an Eukalyptus, Klee und einem Blättermeer, für das hier Herbst zu sein schien. An dieser Stelle sei noch einmal angemerkt, wie beeindruckend es ist, sowohl auf verschiedenen Teilen der Insel als auch auf einer einzigen Wanderung Vegetationen zu durchwandern, die in verschiedenen Jahreszeiten zu leben scheinen; So blüht die Eiche in Puntk A in voller Blüte, während sie an Punkt B so kahl wie im Winter vorzufinden ist.
Nach über einer Stunde begannen wir, die Wanderung zu hinterfragen, da sich weder die Aussicht noch das stetige Bergabsteigen der Stufen verändert hatte und wir vermutlich in dem kleinen Dorf enden würden, auf das wir seit Ewigkeiten blickten. Somit erschlossen sich uns auch nicht die Aussichtspunkte, die aller 30 Minuten auftauchten; der Blick ins eingekesselte Tal war identisch. Dennoch: der Ausblick war atemberaubend, aber der Wanderweg war nicht sonderlich kurzweilig gewählt.
Wir hatten gerade begonnen, uns Sorgen zu machen, ob sich in dieser Einöde denn noch ein Bus fände, der uns zurück nach Hause bringen konnte, da meinte Katharina, dass der nächste Bus in 2 Minuten abfahren würde und wir rannten panisch die gerade erreichte Hauptstraße hinunter, von der uns der anrollende Bus kurz darauf durch unser hektisches Winken einsammelte. Der Rückweg auf den Straßen direkt am Berghang war geprägt von Fast-Kollissionen mit dem Gegenverkehr, von dem der Busfahrer durch die vielen Kurven überrascht wurde. Einer Frau lag der Rückweg besonders schwer im Magen und sie musste des Öfteren das Weite suchen.
Was das Ganze mit Nonnen zu tun haben soll, bleibt uns bis heute ein Rätsel.
Am Abend wurde ich von Erdmuthe und Kerstin zum Dinner in ein sehr feines Lokal in einer urigen Restaurantgasse eingeladen, in dem ich gebratene Garnelen mit Süßkartoffelpürree genießen durfte. Die beiden zeigten mir beeindruckende Fotos der vergangenen Tage und gaben mir liebevollerweise wertvolle Ratschläge, um Menschen auf Madeira zu finden, die mich auf meiner Reise begleiten könnten.
Es war ein wirklich schöner Abend und wir planten, ihren letzten, morgigen Tag zum Abschluss noch einmal gemeinsam zu verbringen.





